IT in Pflegeausbildung (Rezension)

IT in Pflegeausbildung (Steffan, Sabine)

hps-media, Hungen, 2010, 242 S., 29,80 €, ISBN 978-3-8423-0736-0

Rezension von: Bernd Burgbacher

Das Buch von Sabine Steffan ist, mit Verlaub, ein weiterer Versuch, eine Diplomarbeit als Buch auf den Markt zu bringen. Dies sei auch gestattet, da in eine solche Arbeit viel Zeit und Aufwand investiert wurden. Interessant war für mich das Kapitel über die bundesweite Verteilung der angewandten Curricula. Auch die eine oder andere Tabelle hatte für mich aufschlussreiche Aspekte. Leider waren diese Tabellen z.T. sehr schlecht les- und interpretierbar, da sie nur in schwarz-weiß aufbereitet sind. Und in manchen Kapiteln kommen die Tabellen in einer so großen Anzahl vor, dass ich als Leser die Lust verlor, alles zu verfolgen. Die Struktur des Buches war für mich schlüssig, die Kapitel über die Einführung von Didaktik hin bis zu den Curricula aber eher überflüssig. Gefehlt hat mir ein Kapitel über "Fundraising" um PC-Anlagen zu beschaffen, vorhandene auf dem aktuellen Stand zu halten oder qualifizierte IT-Dozenten zu gewinnen. Wie im Buch erwähnt, hängen die Schulen im öffentlichen Bereich am "Tropf" der Verwaltungen.

Das Buch ist für Menschen, die sich einen Überblick über die aktuelle Situation der IT-Ausbildung im Pflegebereich verschaffen, wollen geeignet. Für mich als Lehrer für Pflegeberufe sind die Ausführungen zu zahlenlastig, und im Resultat fehlen Anregungen und hinweise, wie die gegebene Situation verändert werden könnte.

Psychiatrie in Bewegung (Rezension)

Psychiatrie in Bewegung (Raueiser, Stefan und Wolfgang Schreiber (Hrsg.))

Grizeto Verlag, Irsee 2011, 155 S., 12,50 €, ISSN 1867-7118, ISBN 978-3-9812731-4-4

Rezension von: Dr. Hubert Kolling

Psychische Erkrankungen gehen nicht nur Psychiater/innen und Patienten/-innen oder deren Angehörigen etwas an, sondern die gesamte Gesellschaft, weil sie weitreichende gesellschaftliche, volkswirtschaftliche und politische Auswirkungen haben. Deshalb bringt die für 2013 geplante Einführung eines pauschalierenden Entgeltsystems für psychiatrische und psychosomatische Leistungen die "Psychiatrie in Bewegung". Im Vorfeld des neu entwickelten Vergütungssystems und den hierdurch zu erwartenden Veränderungen beschäftigte sich der "Verband der bayerischen Bezirke" in zwei Veranstaltungen mit dem Thema. Während die Verbandsversammlung im Juli 2010 in Schweinfurt die "Psychiatrie in Bewegung" thematisierte, wagte der gesundheitspolitische Kongress des Bildungswerks der Bezirke im Februar 2011 in Kloster Irsee einen Blick auf "Das psychiatrische Versorgungssystem der Zukunft". Die dort gehaltenen Vorträge vereint der vorliegende Sammelband, für dessen Herausgabe sich Dr. Stefan Raueiser, Leiter des Bildungswerks des Verbandes der bayerischen Bezirke und des Schwäbischen Tagungs- und Bildungszentrums Kloster Irsee, und Prof. Dr. Wolfgang Schreiber, Ärztlicher Direktor des Bezirksklinikums Mainkofen und Chefarzt der dortigen Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, verantwortlich zeichnen.

Das Buch enthält nach einer "Einführung" (S. 7-8) seitens der Herausgeber - untergliedert in drei Kapitel - die folgenden acht Beiträge:

I. Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
  • Manfred Wolfersdorf, Michael Purucker: Historische Tiefendimensionen eines Fachgebiets (S. 17-36)
  • Heiner Melchinger: Jedem seine Psychotherapie? Gravierende Fehlentwicklungen in der ambulanten psychiatrischen / psychotherapeutischen Versorgung (S. 37-60)

II. Psychiatrische Versorgung in der Gegenwart

  • Celia Wenk-Wolff: Daten und besondere Aspekte der ambulanten, teilstationären und stationären psychiatrischen Versorgung im Freistaat Bayern (S. 63-85)
  • Thomas Becker: Macht das Ausland alles besser? Versorgungssysteme in Europa (S. 86-98)
  • Eva Straub: Gewinner und Verlierer des gegenwärtigen Versorgungssystems aus der Perspektive von Angehörigen (S. 99-110)

III. Entgeltsystem und Versorgung in der Zukunft

  • Melanie Huml: Das psychiatrischeVersorgungssystem der Zukunft (S. 113-118)
  • Kurt Häupl: Das gestufte Versorgungssystem unter den Bedingungen des neuen Entgeltsystems (S. 119-130)
  • Wolfgang Schreiber: Vorfahrt für Therapievielfalt: Welches Versorgungssystem wird mit dem neuen Entgeltsystem geschaffen? (S. 131-142).

Den Beiträgen vorangestellt ist der Aufsatz "Psychiatrie in Bewegung" (S. 9-13). Darin betont Bezirkstagspräsident Manfred Hölzlein grundsätzlich, dass die Psychiatrie in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft die Aufgabe zufällt, das Bewusstsein für die gesamtgesellschaftliche Dimension psychischer Erkrankungen zu schärfen und Stigmatisierungen von Betroffenen abzubauen.

Ergänzt wird die Darstellung durch den Aufsatz "Lebenslust - Über Risiken und Nebenwirkungen der Gesundheit" (S. 145-153). In ihm geißelt der Chefarzt des Alexianer-Krankenhauses Köln, Dr. med. Dipl.-Theologe Manfred Lütz, die Fehlentwicklungen einer sich ausbreitenden "Spaß-Gesellschaft", die sich, um den Tod zu vermeiden, selbst das Leben nimmt.

Insgesamt betrachtet wagen die einzelnen Beiträge mit Blick auf Gewinner und Verlierer des gegenwärtigen Versorgungssystems Ausblicke auf das neue Vergütungssystem, das die psychiatrischen Versorgungsstrukturen der Zukunft ganz maßgeblich beeinflussen wird. Nach übereinstimmender Ansicht der Autoren/-innen gilt es dabei, den bevorstehenden gesundheitsökonomischen Systemwechsel aufmerksam zu beobachten und seine Auswirkungen gegenüber dem abzuwägen, was gegenwärtig gut funktioniert. Nur so könne man vorhersehbaren Fehlentwicklungen frühzeitig und konstruktiv begegnen.

Das Buch erscheint als Band 4 der Schriftenreihe "Impulse", mit der das Bildungswerk Irsee - seit 1981 das zentrale Fort- und Weiterbildungsinstitut des Verbandes der bayerischen Bezirke (vgl. www.bildungswerk-irsee.de) - wichtige Debatten der Bildungsarbeit des Verbandes dokumentieren, vor allem aber die Bedeutung der bayerischen Bezirke als Träger der überörtlichen Sozialhilfe, als Gesamtverantwortliche in der psychiatrisch-medizinischen Versorgung und im Bereich der regionalen Kulturförderung Bayerns darstellen möchte. Nach "Verantwortung für die Psychiatrie" (2008), "Zum Gedenken an die Opfer der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren" (2009) und "Psychiatrie in Bewegung. Das psychiatrische Versorgungssystem" (2011) liegt nunmehr ein weiteres Buch vor, mit dem die Bezirke in ihrer Eigenschaft als Gesamtverantwortliche für die psychiatrische Versorgung in Bayern einmal mehr und weit über die Grenzen des Freistaats hinaus ihre Bedeutung als gewichtige Akteure in der bundesdeutschen Psychiatrielandschaft zum Ausdruck bringen. Allen, die in der psychiatrischen Versorgung Verantwortung tragen, kann das Buch zur Lektüre wärmstens empfohlen werden.

Nerven bewahren (Rezension)

Nerven bewahren (Manteufel, Andreas)

Paranus Verlag der Brücke, Neumünster, 2012, 184 S., 14,80 €, ISBN 978-3-940636-19-5

Rezension von: Paul-Werner Schreiner

Nerven bewahren ist in allen denkbaren Lebensumständen eine empfehlenswerte Strategie. Da es aber in dem vorliegenden Buch, wie der erste Untertitel besagt, um den Alltag in der Akutpsychiatrie geht, wird man davon ausgehen dürfen, dass mit dem Titel nicht oder zumindest nicht nur das landläufige Keep cool gemeint ist. Der Autor schreibt zu Beginn einer zusammenfassenden Betrachtung am Ende des Buches dazu Folgendes: "Den Titel "Nerven bewahren" habe ich diesem Buch als doppeldeutiges Wortspiel vorangestellt. Für eine begrenzte Zeit nehmen wir die Nerven unserer Patienten in Verwahrung, um sie zu schützen und wieder aufzubauen. Gleichzeitig gilt es für uns Psychiatriemitarbeiter, die eigenen Nerven zu bewahren. Das spielt auf Konzepte an wie self-care und Burnout-Prophylaxe. Es geht aber auch einfach darum, bei der Arbeit die Lust und den Spaß nicht zu verlieren."

Auch der zentrale Begriff des zweiten Untertitels bedarf einer Erläuterung. Im Rückklappentext führt der Autor dazu aus: "Ich habe gleich zu Beginn meiner beruflichen Tätigkeit eine Art Sudelheft angelegt. Darin hielt und halte ich fest, was ich staunend, erheitert, beeindruckt und manchmal mit Unverständnis im Klinikalltag aufschnapp(t)e. Dieser Fundus ist der Grundstock meines Buches, angereichert mit Erinnerungen und Kommentaren, die mir jetzt, beim Zusammenschreiben, dazu einfallen."

Der Autor ist Psychologie, promoviert mit einer Arbeit über Systemspiele und seit 1992 in der Abteilung Psychiatrie 1 der LVR-Klinik Bonn tätig.

In einleitenden Ausführungen erfährt der Leser Einiges über den Titel des Buches und die Funktion des Sudelheftes sowie den sachgemäßen Gebrauch desselben. Der Autor schreibt hier über sich selbst, seinen Werdegang sowie das mit der Veröffentlichung des Buches verfolgte Ziel.

In vollkommen unsystematischer Weise werden nun einzelne Sentenzen aus dem Sudelheft aufgegriffen. Es handelt sich dabei um typische, für jeden, der jemals in solchen Institutionen war, leicht erkennbare Alltagssituationen, die jetzt einmal - gegebenenfalls aus der konkreten Situation herausgelöst - kritisch reflektiert werden. Des Weiteren werden typische Klinikredewendungen und Floskeln bedacht, die in dieser Weise aus der konkreten Situation herausgenommen, leicht als sprachliche Unsitte erkennbar sind. Der Autor berichtet über erwartete und unerwartete Therapieerfolge und -misserfolge. Er kann dabei aufzeigen, dass lineare Zusammenhänge zwischen dem therapeutischen Agieren und dem Ergebnis vorsichtig gesprochen nicht immer aufzeigbar sind.

Im Anschluss an die Erwägungen zu den Eintragungen im Sudelheft fasst der Autor seine dabei gewonnenen Einsichten in einem Kapitel zusammen. Dabei geht er im Besonderen auf den von seinem Doktorvater Günter Schiepek entwickelten Begriff der Systemkompetenz ein. Er führt dazu aus: "In den Theorien dynamischer, selbstorganisierender Systeme, dazu zählen auch Chaostheorie und Synergetik, fanden wir die theoretischen Begriffe, um zu beschreiben, womit wir es in der psychosozialen Arbeit zu tun haben:

  • Selbstorganisation statt Fremdsteuerung
  • Vernetzung statt Aneinanderreihung von Ereignissen
  • zirkuläre statt lineare Kausalität
  • Intransparenz statt Klarheit
  • Vieldeutigkeit statt Eindeutigkeit
  • Veränderlichkeit statt Stabilität
  • Zukunftsoffenheit statt Vorhersagbarkeit
  • Nichtlinearität statt prinzipielle Berechenbarkeit.
In unserer klinischen Rhetorik klingen die hier infrage gestellten Konzepte noch immer an."

Das Konzept der Systemkompetenz, so Manteufel weiter in diesem Kapitel, diene nicht dazu, als neuer Ratgeber aufzutreten. Vielmehr gehe es zum einen um das Sotieren der wichtigsten Aspekte komplexer Systeme und zum anderen eine Beschreibung von Fertigkeiten, mit denen man in solchen Systemen "bestehen", also "die Nerven bewahren" kann. Es werden sechs Kategorien der Systemkompetenz beschrieben:

  • Sozialstrukturen und Kontexte
  • die Dimension der Zeit
  • Umgang mit der emotionalen Dimension
  • soziale Kontaktfähigkeit
  • Systemförderung, Entwicklung von Selbstorganisation
  • Theoriewissen, Methoden.

Es schließen sich noch Erwägungen dazu an, wie man vor dem Hintergrund des Ausgeführten "normal bleiben" kann, und schließlich ganz am Ende, welche (Be-)Deutungen der Begriff "Psychiatrie.

Das preiswerte Buch sei wärmstens zur Lektüre empfohlen. Wer nicht in der Psychiatrie tätig ist, sollte sich nicht davon abschrecken lassen, dass der Untertitel auf den Alltag in der Akutpsychiatrie verweist. Die vom Autor beleuchteten Klinik-/Alltagssituation und sprachlichen Umgangsformen sind mit gewissen Nuancen auch in vielen anderen klinischen Disziplinen beschreibbar und in Pflegeeinrichtungen auf jeden Fall. Die unter dem Stichwort "Systemkompetenz" dargelegten Konzepte sind zumindest auf alle Bereiche der klassischen, sprich konservativen Medizin problemlos übertragbar.

Vor allem die Selbstbeschränkung, die Manteufel zu Beginn seines Resümees formuliert, ist m. E. disziplinübergreifend beherzigenswert: "Ich nehme weiten Abstand davon, zu dieser Frage Ratschläge zu verteilen. Alles, was ich dazu in diesem Abschlusskapitel zusammenfasse, ist nichts als meine eigene Erfahrung. Die Ratgeberliteratur kann nur so kontinuierlich boomen - das ist meine Überzeugung -, weil die vielen guten Tipps eben nicht umzusetzen sind. Im Prinzip klingt alles, was in diesen Büchern steht, regelmäßig viel überzeugender, als es in der Praxis dann funktioniert. Das erzeugt beim Anwender ein schlechtes Gewissen oder die falsche Überzeugung, dass er in der Umsetzung etwas falsch macht. Das Wesentliche sehe ich darin, dass jeder seinen eigenen persönlichen Stil finden und die eigenen Schlüsse aus seinen Erfahrungen ziehen muss, um herauszufinden, wie er seine
Arbeit mit Erfolg, aber auch mit Freude und dem Gefühl von Sinn erfüllt."