Krankenpfleger, Gewerkschafter und Fachbuchautor Franz Bauer (1898-1969) (Rezension)

Krankenpfleger, Gewerkschafter und Fachbuchautor Franz Bauer (1898-1969) (Hubert Kolling )

(Sonneberger Geschichtsblätter, Band 4). Herausgegeben vom Sonneberger Museums- und Geschichtsverein e.V., Sonneberg 2008, 70 S., mit 4 Schwarzweißabbildungen, 5,- Euro, ISBN 3-00-013451-4

Rezension von: Clemens Antoni

Dem älteren Pflegepersonal aus den alten Bundesländern dürfte aus seiner Ausbildungszeit der Name Franz Bauer noch bekannt sein. Zumindest fand sich dessen 1965 veröffentlichtes Lehrbuch zur „Geschichte der Krankenpflege“ mit dem Untertitel „Handbuch der Entstehung und Entwicklung der Krankenpflege von der Frühzeit bis zur Gegenwart“, das Quellenmaterialien zur Krankenpflege aus aller Welt von den Anfängen der Menschheitsgeschichte bis zur unmittelbaren Gegenwart enthält, bis weit in die 1990er Jahre hinein in vielen Bibliotheken mancher Krankenpflegeschulen. Zu der Veröffentlichung war es gekommen, nachdem in der Prüfungsordnung zum Krankenpflegegesetz für die Bundesrepublik Deutschland die Geschichte der Krankenpflege 1957 als neues Prüfungsfach eingeführt worden war und es den Lehrkräften seither oblag, den Schülerinnen und Schülern auch in diesem Fach beim Examen entsprechende Fragen zu stellen. In Ermangelung entsprechender Literatur – der Freiburger Medizinhistoriker Eduard Seidler veröffentlichte seine in mehreren Auflagen immer wieder vorgelegte „Geschichte der Pflege des kranken Menschen“ erstmals im Jahre 1966 – wollte der „Lehroberpfleger“ Franz Bauer mit seinem 384 Seiten starken Lehrbuch insbesondere dazu beitragen, „den Unterricht an den Krankenpflegeschulen anschaulicher zu gestalten“ und den Mitarbeitern im Gesundheitswesen „den langen und steinigen Weg vor Augen zu führen, vom Geistesbeschwörer und den Tempeldienerinnen der Vorzeit bis zur hochspezialisierten Krankenschwester und dem Krankenpfleger von heute.“

Doch wer war dieser Franz Bauer, der im Jahre 1898 als Sohn eines Fabrikanten und Spielwarenverlegers im thüringischen Sonneberg geboren wurde und 1915 – mitten im Ersten Weltkrieg (1914-1918) – seine Heimatstadt verließ, um in der Landesheil- und Pflegeanstalt Herborn (Hessen) als „Pfleger“ zu arbeiten? Der Pflegehistoriker Dr. Hubert Kolling, der im oberfränkischen Bad Staffelstein lebt und arbeitet, begab sich auf Spurensuche und veröffentlichte unlängst seine Forschungsergebnisse über das Leben und Werk von Franz Bauer in der vorliegenden, vom Sonneberger Museums- und Geschichtsverein e.V. herausgegebenen Schrift „Krankenpfleger, Gewerkschafter und Fachbuchautor Franz Bauer (1898-1969)“. Wie der Autor in seiner kurzweiligen Darstellung zeigt, wechselte Franz Bauer bereits zwei Jahre später, am 10. Februar 1917 zur Anstalt für Irre und Epileptiker nach Frankfurt am Main, bevor er im September 1917 – im Alter von 19 Jahren – zur Armee eingezogen wurde. Nach dem Krieg arbeitete er dann wieder im Pflegedienst und legte 1934 sein Examen als Krankenpfleger ab. Nach Sonneberg kehrte er auch nach 1945 nicht mehr zurück, zumal er mittlerweile verheiratet und als Lehroberpfleger an der Staatlich anerkannten Krankenpflegeschule in den Universitätskliniken der Stadt Frankfurt am Main tätig war.

Gestützt auf zeitgenössische Veröffentlichungen und insbesondere Archivalien aus den Stadtarchiven Sonneberg und Frankfurt am Main stellt Hubert Kolling, der neben zahlreichen pflegegeschichtlichen Beiträgen in Fachzeitschriften auch 2003 eine Monografie über Dr. Viola Riederer Freiin von Paar zu Schönau (1903-1996), die Gründerin und Ehrenvorsitzende des Katholischen Berufsverbandes für Pflegeberufe, und 2004 über Michael Fischer (1887-1948), einen bedeutenden Mitgestalter der katholischen Krankenpflege in Deutschland, vorgelegt hat und Herausgeber von Band 4 des kürzlich erschienenen „Biographischen Lexikon zur Pflegegeschichte. ‚Who was who in nursing history’“ (München 2008) ist, neben dem beruflichen Werdegang ausführlich auch das publizistische und gewerkschaftliche Wirken von Franz Bauer vor. So veröffentlichte dieser in der vom Hauptvorstand der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) herausgegebenen Fachzeitschrift Sanitätswarte (Fachbeilage der Hauptfachabteilung IV, Gesundheitswesen) zwischen 1949 und 1956 eine Reihe von Aufsätzen, in denen er sich sowohl mit historischen Fragen als auch mit grundsätzlichen und aktuellen Problemen der Krankenpflege auseinander setzte.

Mit der vorliegenden Schrift hat Hubert Kolling zunächst einen wichtigen Beitrag zur Sonneberger Lokalgeschichte geleistet, zumal Franz Bauer – spätestens nach der deutsch-deutschen Teilung – in seiner Heimatstadt vollkommen in Vergessenheit geriet. Darüber bereichert die Publikation die Geschichte der Krankenpflege, weil Franz Bauer neben seiner praktischen Arbeit in der Krankenpflege nicht zuletzt mit seinem Lehrbuch mehrere Generationen von Pflegepersonal in der Ausbildung begleitet hat.