Call for Papers: „Behindertenhilfe“ und „Anstalten“ im Wandel – Vom „Insassen“ zum Leistungsberechtigten

GdG Call 2 2022 anstalten insassen behindertenhilfeBis in die 60er Jahre war Pflege kein Beruf, sondern „Dienst am Alten und Kranken“, Einrichtungen verstanden sich als „Anstalten“ und so genannte Irrenanstalten dienten dem Wegsperren. Dies änderte sich – viel zu langsam – erst in den letzten 50 Jahren.
Spätestens seit der Einführung der ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit) durch die WHO im Jahr 2001 ist international deutlich geworden, dass es einen anderen Blick auf Menschen mit Einschränkungen gibt. Gut so!
Sprachlich merken wir die Veränderung daran, dass die früheren „Anstalten“ z. B. in „Stiftungen“ umbenannt wurden. Und auch gesetzlich hat sich viel getan: So wurde den ehemaligen, eher schwach dargestellten „Hilfebedürftigen“ gesetzlich mehr und mehr die starke Rolle der „Leistungsberechtigten“ zugeschrieben. Die Rolle der Pflegenden und der Gesundheitsberufe hat sich damit einhergehend grundlegend verändert.
Mit dem Schwerpunktthema „Pflege und Anstalten im Wandel“ möchten wir einen klaren Blick auf genau diese Veränderungen werfen. Wir möchten die Geschichte würdigen – aber nicht romantisch verklären – und das nicht nur im Hinblick auf die Betroffenen und die Institutionen – sondern insbesondere auch im Hinblick auf die Gesundheitsprofessionellen. Wir möchten die Wurzeln der Berufe konstruktiv kritisch betrachten und in ihren Auswirkungen auf das Heute darstellen. Wie haben sich die einzelnen beruflichen Rollen gewandelt – und wie spielen sie strukturell heute zusammen? Wie wurden früher gesundheitliche Versorgungsbedarfe und Versorgungsansprüche beantwortet – und wie ist es heute? 

Beiträge können bis zum 1.4.2023 zu folgenden Themen eingereicht werden:

  • Wie hat sich die Rolle der Nutzer*innen des Gesundheitssystems verändert?
  • Wie haben sich die Rollen der Gesundheitsprofessionellen auf diese Veränderungen eingestellt?
  • Welche neuen Ausbildungen und Berufsbilder sind entstanden?
  • Welche Bedeutungen / Auswirkungen habe diese Veränderungen für das Zusammenspiel der Gesundheitsprofessionellen?

Beiträge können als Fachartikel eingereicht werden und sollten 15 Seiten (DIN-A4) nicht überschreiten. Positionspapiere oder Buchrezensionen u. Ä. sind ebenfalls sehr willkommen.
Alle Manuskripte werden durch die Redaktion der Zeitschrift bewertet. Weitere Informationen zu den Autor*innen-Richtlinien sowie zur Einreichung sind unter www.geschichte-der-gesundheitsberufe.info abrufbar.

Manuskriptzentrale
Manuskripte können unter www.hpsmedia-verlag.de/manuskriptzentrale eingereicht und eingesehen werden.

Veranstaltungshinweis: Pflege im Nationalsozialismus - Eine Profession unter Druck? am 20. Oktober 2022

Pflege im NationalsozialismusDie Fliedner Fachhochschule Düsseldorf und die Fliedner-Kulturstiftung laden am 20. Oktober 2022 herzlich zur Tagung zum Thema „Pflege im Nationalsozialismus – eine Profession unter Druck?“ ein.

Im Fokus der diesjährigen Tagung steht die Frage, wie die Pflege in der Zeit des Nationalsozialismus auf die neuen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen reagierte, denn mit dem Jahr 1933 veränderten sich die Grundlagen für die Krankenpflege in Deutschland fundamental. Die Politik der Gleichschaltung und die nationalsozialistische Rassenideologie stellten die gewachsenen Strukturen der Pflege mit der großen Bedeutung der konfessionellen Träger organisatorisch und inhaltlich prinzipiell in Frage. Auch wenn sie sich um ein gewisses Maß an Selbstständigkeit bemühten und – gerade in der Zeit des Zweiten Weltkriegs – für den Staat eine unverzichtbare Größe darstellten, war die Zeit von einer großen Bereitschaft zur Anpassung geprägt.

Daneben entstanden mit den „Braunen Schwestern“ neue, mit der Ideologie der Nationalsozialisten konforme Pflegeorganisationen, die Aufgaben, wie die Pflege in Konzentrationslagern, übernahmen. Auch die Auswirkungen der NS-Ideologie auf die Kinderkrankenpflege und das Hebammenwesen werden in der Tagung thematisiert. Mit einer ethischen Perspektive auf die Entwicklungen in der Vergangenheit und deren Relevanz für die Pflegeberufe wagt die Tagung abschließend eine Diskussion mit Bezügen zur Gegenwart.

Tagungsbeitrag inkl. Imbiss: 30,- €, Studierende 10,- €
Austragungsort: Mutterhauskirche, Zeppenheimer Weg 16, Düsseldorf
Anmeldung Bis zum 7.10.2022 an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Beiträge

Einführung in die Krankenpflege in der NS-Zeit
Prof. Dr. em. Eva-Maria Ulmer (Frankfurt/M.)

Zwangssterilisation und Eugenik in diakonischen Einrichtungen im Rheinland
Dr. Uwe Kaminsky (Berlin)

„Kindereuthanasie“ in der NS-Zeit am Beispiel Norddeutschlands
Katharina Genz (Hamburg)

Pflege in Konzentrationslagern
Dr. Petra Betzien (Düsseldorf)

Schwangerenfürsorge der Hebammen im NS
Sophia König (Leipzig)

„Dieser unsichtbar auf der Nürnberger Anklagebank sitzende Geist…“ – Selbstentfremdung von Medizin und Pflege im NS und was daraus zu lernen wäre
Prof. Dr. Christine Globig (Düsseldorf)

Optional im Anschluss: Führung durch das Pflegemuseum der Fliedner-Kulturstiftung
Dr. Annett Büttner

 

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Call for Papers: Gesundheitsberufe in der Krise – Krisen in den Gesundheitsberufen

GdG Call Krisen GesundheitsberufeDie Corona-Berichterstattungen der vergangenen zwei Jahre haben fühlbar die Aufgaben und Leistung insbesondere Pflegender in den gesamtgesellschaftlichen Fokus rücken lassen – und es scheint, als habe diese Berufsgruppe durch die Konfrontation mit einer Krise ganz neue Konturen bekommen.

Fast könnte daraus der Eindruck erwachsen, als sei Corona die erste große Gesundheitskrise, die eine derartige Herausforderung darstellt. In den Medien wurden Pflegende dabei sehr häufig als „stille Helden“ typisiert. Dieses aus dem Christentum abgeleitete Bild scheint insbesondere in Katastrophen- und Krisensituationen nahezu berufsbestimmend für die nicht-ärztlichen Gesundheitsberufe zu sein und wird als Metapher auch immer wieder als berufstypisch hervorgehoben (allein in den letzten 20 Jahren in über 250 Fachartikeln1). Dieser - auf einfachste Metaphern reduzierte Blick - konterkariert allerdings sehr stark den wissenschaftlichen Blick auf das professionelle Verständnis dieser Berufe.

Während also die Politik die Rolle der Gesundheitsberufe in der alltäglichen Versorgung gelobt hat und gesamtgesellschaftlich Applaus geklatscht wurde, sind die wissenschaftlichen Fundierungen und Professionalisierungsbestrebungen der Berufsgruppen selbst derzeit scheinbar zunehmend im bürokratischen Dickicht versunken.

Genau diese Reaktion der Gesellschaft und Politik auf das effektive Reagieren der Gesundheitsversorgung in einer Krise scheint dabei Tradition zu haben. Wenn wir in die Zeitgeschichte schauen, so hat sich die in Deutschland noch junge Gesundheitsgeschichtsforschung bislang noch nicht sehr intensiv mit der Rolle von Gesundheitsprofessionellen in den großen Krisen des 19. und 20. Jahrhunderts befasst. Von wenigen Publikationen abgesehen, wird deren Rolle in Kriegen, Seuchen und Notlagen im wesentlichen über Fotografien und Bilder dargestellt. Einprägsam erscheinen hingegen Bilder – wie etwa Fotografien von der spanischen Grippe und den Weltkriegen. Dieser Trend setzt sich bis heute fort – und so waren die Nachrichten in der Corona-Krise vor allem durch Bilder von Pflegenden mit Schutzkitteln, Mundschutz und mit klassischem Stethoskop gespickt. Bilder, die für die tatsächlichen Leistungen, Aufgaben und Herausforderungen der einzelnen Berufsgruppen in dieser Krise aber nur sehr wenig Ausdruckskraft haben.

All diese hier nur grob angeschnittenen Aspekte waren für die Redaktion von hpsmedia Grund genug dafür, mit einer Schwerpunktausgabe der Zeitschrift „Geschichte der Gesundheitsberufe“ (2/2022) dazu beitragen zu wollen, diese bestehenden Bilder um bedeutsame neue Aspekte zu ergänzen und zu erweitern. Dabei interessieren vor allem Sichtweisen, die die einzelnen Akteure in ihrem Agieren und in ihrem interdisziplinären Zusammenspiel umfassender beleuchten, als dies bislang geschehen ist. Und es interessiert insbesondere auch der Blick auf all die Krisen VOR Corona.

Beiträge können online bis 1. August 2022 zu folgenden Themen eingereicht werden:

  • Welche Krisen (z. B. Infektionskrankheiten HIV, AIDS, Ebola; Kriege, z. B. Ukraine-Krise; Hungersnöte,
    z. B. Afrika; Flüchtlingskrise, z. B. Ukraine, Mittelmeer) haben besondere Herausforderungen für die
    Gesundheitsprofessionellen bedeutet?
  • Wie wurden und werden die Berufsgruppen in solchen Krisen fremdbestimmt (z. B. Vereinnahmung durch
    andere Berufsgruppen oder durch die Politik; Darstellung in den Medien etc.)
    Wie gestalten sich die jeweiligen beruflichen Rollen zwischen „Retter“ und „Buhmann“ (z. B. Medienrolle,
    Rolle der Politik)
  • Inwieweit spielt Gerechtigkeit im Gesundheitssystem in Krisenzeiten eine namhafte Rolle?
  • Welche Bedeutung haben diese Krisen für die einzelnen Berufsgruppen? Sind sie Innovator oder Hemmnis?
  • Welche Rolle kommt der Wissenschaft und Forschung dabei zu?

Beiträge können als Fachartikel eingereicht werden und sollten 15 Seiten A4 nicht überschreiten. Positionspapiere oder Buchrezensionen u. Ä. sind ebenfalls sehr willkommen. Alle Manuskripte werden durch das Gutachtergremium der Zeitschrift bewertet.

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Weitere Informationen:

Zu den Manuskript-Richtlinien

Zum Rezensionsleitfaden

 

 


1 Quelle: www.carelit.de Suchterm „Stille Helden“ 2002-2022