Gesetzessammlung für Pflegeberufe (Rezension)

Gesetzessammlung für Pflegeberufe (Kunz, Winfried)

Brigitte Kunz Verlag, Schlütersche Verlagsgesellschaft. Hannover 2011, 10., akt. Aufl., 707 S., 24,95 €, ISBN 978-3-89993-766-4

Rezension von: Dr. Hubert Kolling

Wer in der Pflege arbeitet, tut dies zumeist, weil er Menschen helfen möchte. Doch der gute Wille allein reicht hier nicht aus, indem das Gesundheitswesen ungleich stärker als andere Rechtsgebiete von politischen und rechtspolitischen Grundsätzen betroffen ist. Die Ursache liegt hierfür in der vielfältigen Natur des Gesundheitsrechts. So haben Veränderungen in der demografischen Entwicklung, neue wissenschaftliche Erkenntnisse in der Medizin und Pflege, die Entstehung von neuartigen Wohn- und Betreuungsformen im Alter und nicht zuletzt veränderte ökonomische Gegebenheiten in den letzten Jahren zu einer erheblichen Steigerung der gesetzgeberischen Aktivitäten geführt. Vor diesem Hintergrund treten bei Pflegenden in Krankenhäusern, Altenpflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegediensten im Berufsalltag immer wieder Rechtsunsicherheiten auf. In der von Winfried Kunz vorgelegten "Gesetzessammlung für Pflegeberufe" finden Pflegekräfte, Studierende, Dozenten und Auszubildende die für sie wesentlichen Rechtsgrundlagen in kompakter Form. Das übersichtlich gestaltete Buch, das erstmals 1986 unter dem Titel "Gesetzessammlung für die Krankenpflegeausbildung" (mit einem Umfang von 252 Seiten) erschien, liegt nun in der 10., aktualisierten Auflage (mit einem Umfang von 707 Seiten) vor.

Neben dem vorliegenden "Rechtsratgeber" veröffentlichte der Autor, der als Lehrer für Pflegeberufe in Hagen wirkte, in jeweils mehreren Auflagen unter anderem das "Arbeitsbuch für Unterrichtende in der Krankenpflege und in der Altenpflege" und (gemeinsam mit Rainer Schneider) die "Prüfungsfragen Krankenpflege, Kinderkrankenpflege [...] in 3 Bänden zur Vorbereitung auf Klassenarbeit, Zwischenprüfungen und Examina".

Die "Gesetzessammlung für Pflegeberufe" enthält (teilweise in Auszügen) Gesetze und Verordnungen aus dem Berufsrecht, Krankenhausrecht, Arzneimittel- und Medizinprodukterecht, Arbeitsrecht, Sozialrecht und Staatsrecht.

Die Normen des Gesundheitsrechts spielen nicht nur in der Pflegeausbildung sowie den Medizin- und Pflegestudiengängen eine wichtige Rolle, in zunehmendem Maße befassen sich auch andere Bildungsträger mit gesundheitsrechtlichen Vorschriften, deren Schüler und Studierende sich eine Orientierung im "Paragrafendschungel" brauchen. Dabei ist es nicht leicht, das breit gefächerte Normensystem im deutschen Gesundheitswesen zu überblicken. Hier bietet die von Winfried Kunz vorgelegte Gesetzessammlung - für Auszubildende, Studierende und Lehrende, ebenso wie für Praktiker und Personen in Leitungsfunktionen -eine brauchbare Hilfestellung bei der Bewältigung dieser anspruchsvollen Aufgabe. Von daher sollte das Buch auch als Nachschlagewerk in keiner Bibliothek des Gesundheitswesens fehlen.

Frauendiakonie und Krankenpflege (Rezension)

Frauendiakonie und Krankenpflege (Götzelmann, Arnd et al. (Hrsg.))

Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2009, 180 S., 16,00 €, ISBN 978-3-8253-5588-3

Rezension von: Dr. Hubert Kolling

Aus dem 1859 gegründeten Diakonissenhaus in Speyer hat sich im Laufe der Zeit mit dem Unternehmen "Diakonissen Speyer-Mannheim" eine bedeutende Einrichtung im Sozial- und Gesundheitswesen entwickelt, das - mit fast 3.500 hauptamtlich Mitarbeitenden und einigen hundert Ehrenamtlichen - in der Pfalz, im Saarland und in Baden Krankenhäuser, Altenzentren, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und für Menschen mit Assistenzbedarf, ein stationäres Hospiz und Schulen betreibt.

Angeregt durch ein Forschungsprojekt in Kaiserswerth, das in dem Buch "Kosmos Diakonissenmutterhaus. Geschichte und Gedächtnis einer protestantischen Frauengemeinschaft" 2005 von Ute Gause und Cordula Lissner publiziert wurde, haben im Vorfeld zum 150-jährigen Jubiläum der Diakonissen in Speyer (und dem 125-jährigen Jubiläum der Diakonissen in Mannheim) im Jahre 2009 Studierende der ehemaligen Evangelischen Fachhochschule Ludwigshafen (heute: Fachbereich IV Sozial- und Gesundheitswesen der Fachhochschule Ludwigshafen) mit ihren Dozenten ein ähnliches Forschungsprojekt gestartet, in dessen Mittelpunkt ein Ausschnitt aus der Geschichte dieser Mutterhäuser, ihrer Schwestern und deren Arbeit steht. Der Schwerpunkt des Projektes lag dabei im Bereich Pflege, während andere Aspekte der vielfältigen Tätigkeit von Diakonissen - solche waren und sind nicht nur als Krankenschwestern, sondern auch als Kindergärtnerinnen, Erzieherinnen, Fürsorgerinnen und Lehrerinnen tätig - ausgespart blieben. In dem hier vorzustellenden Buch, das als Band 37 der "Veröffentlichungen des Diakoniewissenschaftlichen Instituts an der Universität Heidelberg" erschien, werden einige Ergebnisse des Forschungsprojektes dokumentiert, die im Rahmen einer Fachtagung unter dem Titel "Im Gespräch mit Diakonissen aus Speyer" am 26. November 2007 in ähnlicher Form vorgetragen wurden.

Für die Herausgabe des Buches zeichnen sich Arnd Götzelmann, Karl-Heinz Sahmel und Andreas-Eva Schwarz verantwortlich. Während der evangelische Pfarrer Arnd Götzelmann und der Diplom-Pädagoge Karl-Heinz Sahmel Hochschullehrer am Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen der Fachhochschule Ludwigshafen für Diakonik, Ethik und Sozialmanagement beziehungsweise Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft sind, ist die Diplom-Pflegepädagogin Andrea-Eva Schwarz Angestellte an der Akademie für Gesundheitsberufe Heidelberg und Honorardozentin an verschiedenen Pflegeschulen.

Neben den Herausgebern haben acht weitere aus der Krankenpflege stammende Autorinnen und Autoren, die an dem Projekt beteiligt waren, Beiträge beigesteuert, die zumeist auf ihren Diplomarbeiten mit einschlägigen Themen beruhen.

Die Veröffentlichung möchte, wie die Herausgeber in ihrem Vorwort schreiben, "ein multidisziplinärer Beitrag zur Geschichte und Gegenwart der Diakonissenbewegung sein und einen Ausschnitt von dem dokumentieren, was die so genannte weibliche Diakonie ausmacht" (S. 10). Damit beabsichtigen sie zugleich angesichts einer Situation, in der Nachwuchs für das Diakonissenamt ausbleibt, auch für zukünftige Generationen etwas festhalten und sichtbar zu machen von der Bedeutung der Diakonissen und ihrer Arbeit in Krankenpflege, Erziehung und Gemeindearbeit.
Grundlage der Untersuchung bilden zahlreiche Interviews ("Oral History"), die zwischen 2005 und 2008 mit Diakonissen in Speyer geführt und anschließend ausgewertet wurden. Im Mittelpunkt des Interesses standen hierbei vor allem Fragen nach der Rolle der Frau, der Bedeutung beruflicher Sozialisation und dem Stellenwert von religiösen Handlungen sowie die Bedeutung von Leitbildern. Die vorliegende Publikation stellt dabei insbesondere die drei folgenden Teilprojekte vor:

  • Die Bedeutung der Pflegeausbildung und der Wandel des Pflegeverständnisses
    Diakonissen in der "Gemeindepflege"
  • Von der Gemeindeschwester zur Sozialstation.
  • Ein weiteres Teilprojekt lautete "Dienen im Wandel der Zeit", in dem versucht wurde, biographische Rekonstruktionen mit dem Begriff des "Dienens" in Verbindung zu setzen.

    Entsprechend diesem Rahmen beschäftigen sich die Beiträge des vorliegenden Bandes - neben Hinweisen zur Entstehung und zum Verlauf des Forschungsprojektes "Diakonissen Speyer" sowie kulturwissenschaftlichen Methoden und einigen historischen Anmerkungen zu den Diakonissenhäusern in Kaiserswerth und Speyer - mit der Bedeutung der Pflegeausbildung und dem Wandel des Pflegeverständnisses, mit Diakonissen in der Gemeindekrankenpflege und dem Übergang von der Gemeindeschwester zur Sozialstation. Beachtenswert erscheinen hierbei die - leider vom Umfang her etwas sehr knapp ausgefallenen - Ausführungen zur Zukunft der Pflegeausbildung in Trägerschaft der Diakonie, bei denen es abschließend heißt: "Die Orientierung an einem christlichen Menschenbild kann sowohl der Ausbildung als auch der Pflege ein besonderes Profil geben. Ist den diakonischen Träger die Bedeutung der Pflegeausbildung für sein spezifisches Profil bewusst, hat die Institution Gesundheits- und Krankenpflegeschule weiterhin eine große Zukunft" (S. 150).

    Insgesamt betrachtet beinhaltet der schmale Band zahlreiche interessante Ergebnisse zur jüngeren Geschichte der Frauendiakonie und Krankenpflege. So können etwa die Untersuchungsergebnisse in der von Jutta Schmidt vorgelegten Studie für Kaiserswerth "Beruf: Schwester. Mutterhausdiakonie im 19. Jahrhundert" (Frankfurt am Main 1998) zeigen, "dass für die Frauen aus dem Mittelstand meist erst eine soziale Abstiegsgefährdung und die Notwendigkeit, für den eigenen Lebensunterhalt selbst zu sorgen, vorliegen musste, um den Schritt ins Mutterhaus zu begründen" und dass "viele Frauen aus klein- und unterbürgerlichen Schichten die Chance zur Bildung, Ausbildung und die Schutzfunktion des Mutterhauses" suchten, aufgrund der vorliegenden Untersuchung für Speyer präzisiert werden. Beispielsweise stellten im Diakonissenhaus Speyer die Frauen aus klein- und unterbürgerlichen Schichten von Beginn an die Majorität aller Diakonissen dar. Während es auch in Speyer nicht mehrheitlich gelungen war, "Töchter des Mittelstandes" zu werben, spiegelte sich die ländliche Struktur der Pfalz in der sozialen Herkunft der Diakonissen wieder. So fanden sich insbesondere die erwünschten Töchter von Lehrern und Pfarrern äußerst selten unter Speyerer Diakonissen.

    Ein ganz anderes Ergebnis der Datenauswertung zeigt etwa, dass die Diakonissen schon vor der so genannten "Ganzheitlichkeitsdebatte" in den 1990er Jahren ein umfassendes Menschenbild hatten und auch ohne viele Theoriestunden und normative, den Handlungsspielraum einschränkende Auflagen, "professionell" pflegten. Die Diakonissen hätten, so die Autoren, den heute im Rahmen der Professionalisierungsdebatte thematisierten Aspekt der "Sorge" als genuin pflegerische Aufgabe betrachtet. Das intuitive Handeln sei aus ihrer Sicht nicht von der analytischen Fachkompetenz zu lösen.

    Die Entwicklung von Diakonissen und Diakonischen Schwesternschaften in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere in den 1980er und 1990er Jahren, wurde bislang noch nicht zusammenfassend monografisch erfasst. Insofern ist das mit historischen Dokumenten und Fotos reich illustrierte Buch ein wichtiger Beitrag, der die entsprechende Lücke in der Geschichtsschreibung der neuzeitlichen Pflege etwas verkleinert. Wer sich für Frauendiakonie und die evangelische Krankenpflege interessiert, wird das Buch in jedem Fall mit Freude zur Hand nehmen.

    Essen und Trinken im Alter - mehr als Ernährung (Rezension)

    Essen und Trinken im Alter - mehr als Ernährung (Agbih, Sylvia et al. (Hrsg))

    Cornelsen Verlag, Berlin 2010, 221 S., 16,50 €, ISBN 978-3-06-455177-0

    Rezension von: Dr. Hubert Kolling

    Das im Volksmund weithin bekannte Sprichwort "Essen und trinken hält Leib und Seele zusammen" bringt treffend zum Ausdruck, dass es bei der Nahrungsaufnahme um weit mehr geht, als nur den Körper mit Energie und Baustoffen zu versorgen. Essen und trinken haben viel mit Genuss zu tun; ebenso besitzen sie eine soziale Komponente, indem sie die Möglichkeit des geselligen Zusammenseins bieten. Wie, wann und was gegessen wird, ist wiederum von gesellschaftlichen und religiösen Bräuchen abhängig. So essen Muslime und Juden zum Beispiel kein Schweinefleisch, weil das Schwein als unreines Tier gilt. Ebenso gibt es in manchen Religionen festgelegte Fastenzeiten wie etwa den Ramadan im Islam oder die Fastenzeit im Christentum von Aschermittwoch bis Ostersamstag. Keine Frage, dass Essen und Trinken im Falle von Krankheit oder Alter eine ganz besondere Bedeutung zukommt.

    Das in Schriftenreihe "Pflegiothek", die sich für die Aus-, Fort- und Weiterbildung empfiehlt, liegt nun auch ein Buch zu Thema "Essen und Trinken im Alter" vor, das sich mit den unterschiedlichsten Facetten des Themas beschäftigt. Ein gemeinsames Anliegen kommt dabei bereits im Buchtitel zum Ausdruck, nämlich dass Essen und Trinken im Alter "mehr als Ernährung und Flüssigkeitsversorgung ist". Im Vorwort heißt es hierzu: "Das Thema Essen und Trinken (anders als bloße: Ernährung und Flüssigkeitsversorgung) im Rahmen der Pflege alter Menschen überhaupt verdient mehr Aufmerksamkeit, als ihm derzeit zuteil wird. Wir trauen der Kreativität der professionell Pflegenden zu, dass sie - sofern ihnen entsprechende organisatorische Rahmenbedingungen angeboten werden - überzeugende Antworten für den Einzelfall und für ihre Einrichtung finden werden" (S. 10).

    Der schmale, im Taschenbuchformat erscheinende Band gliedert sich in zwei Teile, wobei der erste "Teil A" die folgenden 14 Beiträge vereint:

    • Vier Seiten einer Entscheidung (S. 11-25)
    • Vom Essen und Trinken zum moralischen Alleinstellungsmerkmal der Pflege (S. 26-34)
    • Essen und Trinken im Alter (S. 35-43)
    • Ernährung statt Essen und Trinken (S. 44-52)
    • Der Leib ist mehr als der Körper (S. 53-62)
    • Perspektivische Differenz - Verschiedene Blickwinkel (S. 63-74)
    • "Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen" - Kulturanthropologische Aspekte menschlicher Ernährung (S. 75-84)
    • Gesegnete Mahlzeit - Spirituelle Aspekte von Mahlzeiten und Fasten (S. 85-94)
    • > Exkurs: Hilfestellung zur Einordnung von echten und vermeintlichen Suiziden (S. 95-98)
    • > Ansätze zur Konfliktlösung in Entscheidungssituationen (S. 99-109)
    • Exkurs: Die Macht der Sprache (S. 110-113)
    • "Ethik undercover" oder Die Allgegenwart von Machtstrukturen in der Pflege (S. 114-131)
    • Verdeckte Leistung: Emotionsarbeit und Gefühlsarbeit in der Pflege (S. 132-143)
    • "Gute" Ernährung: Der Zusammenhang von Ethik, Qualität und Organisation (S. 144-156).

    Im zweiten "Teil B" wird das Thema "Essen und Trinken von A bis Z" (S. 157-215) dann anhand wichtiger Begriffe vorgestellt und erläutert.

    Verfasst wurde der schmale Band von 18 Autoren/-innen der verschiedensten Berufsgruppen, darunter die Gesundheits- und Krankenpflege, Pflegepädagogik, Theologie, Medizin, Religionspädagogik, Rechtswissenschaft, Sozialwissenschaften und Philosophie.

    Die einzelnen Beiträge enthalten Querverweise zu Kapiteln mit weiteren Informationen und zu Begriffen, die in Teil B erläutert werden. Am Ende jedes Beitrages finden sich Literaturhinweise, die eine vertiefende Auseinandersetzung erlauben. Zur Veranschaulichung seiner Inhalte enthält das Buch zudem eine Reihe Cartoons. Besonders hervorzuheben sind in den einzelnen Beiträgen die jeweiligen Abschnitte "Zum Weiterdenken", weil sie sich ideal als Arbeitsaufgaben in der Aus-, Fort- und Weiterbildung eignen.

    Wer sich im Pflegesektor mit Essen und Trinken im Alter beschäftigt, findet in der vorliegenden Lektüre nicht nur eine Reihe nützlicher Informationen, sondern auch eine Betrachtung und Auseinandersetzung mit dem Thema aus verschiedenen Blickwinkeln. Insofern kann das Büchlein in der Aus-, Fort- oder Weiterbildung nützliche Dienste leisten.