Effiziente Altenpflege in Amerika? (Volz, Jessica)Tectum Verlag, Marburg, 2009, 136 Seiten, 24,90 €, ISBN-13: 978-3828820579Rezension von: Dr. André Fringer, MScN, RN und Jutta Dreizler MScN, RN |
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Effiziente Altenpflege in Amerika? Mit einer Fragestellung als Titel richtet
sich das Buch von Jessica Volz an die Leserschaft und verspricht im Untertitel
eine Antwort darauf zu geben, wie US-Gerontologen gegen den Pflegenotstand vorgehen.
Die Monografie in Paperback-Ausführung ist in der wissenschaftlichen Reihe
des Tectum Verlags unter der Rubrik Pflegewissenschaft erschienen. Die Gestaltung
und Ausführung des Buches ist interessant und ansprechend gelayoutet.
Die Autorin hat die vorliegende Veröffentlichung im Rahmen ihrer Diplomarbeit zur Erlangung des Titels Diplom-Betriebswirtin (FH) verfasst. Dies ist insofern von Bedeutung, da nicht eindeutig hervorgeht, wer die Zielgruppe der Veröffentlichung sein soll. Nach einer überaus kurzen und sehr allgemein gehaltenen Einleitung gibt die Autorin einen vergleichenden Einblick in die Sozialsysteme sowie Einrichtungen der Altenpflege in Deutschland und den USA. Anschließend greift sie die Personalisation, die Qualitätssicherung und den Pflegeprozess in beiden Länder auf. Abschließend werden die Ergebnisse in den Kapiteln Evaluation und Fazit/Ausblick knapp zusammengefasst und besprochen.
Die Autorin hat zwar viele unterschiedliche Quellen zusammengetragen und verwendet, eine größere wissenschaftliche Sorgfaltspflicht und Fundierung wäre aber dennoch wünschenswert gewesen. Leider wurden die wenigen Fakten nicht immer korrekt recherchiert und dargestellt. Zum Beispiel weist die Autorin darauf hin, dass der Pflegeprozess aufgrund der nicht ausgereiften gerontologischen Wissenschaft international nicht vergleichbar sei. Dies verwundert doch sehr, da der Pflegeprozess ein Kernelement professioneller Pflege und seit langem Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzung im internationalen Kontext ist. Des Weiteren schließt die Autorin aus dem familiären Strukturwandel, dass die Pflegebereitschaft in den Familien abnehme und deshalb Pflegeheime immer mehr zunehmen und an Bedeutung gewinnen würden. Diese eher verkürzte Sichtweise lässt viele Aspekte gesellschaftlicher, politischer und wissenschaftlicher Veränderungen in der Pflege außer Acht. Die abschließende Evaluation (Diskussion) wurde in einem deskriptiven Stil verfasst. Eine kritische Reflexion der Ergebnisse wäre zu empfehlen gewesen und fehlt. Im Fazit weist die Autorin darauf hin, dass der Pflegeprozess zukünftig effizienter gestaltet werden muss. Sie gibt dabei zu, dass sie nicht über ausreichend pflegerische Expertise verfügt, um diesen Aspekt abschließend beurteilen zu können.
An vielen Stellen der Publikation fehlt die nötige wissenschaftliche Stringenz. So sind unter anderem Abbildungen und Tabellen im Text vorhanden, ohne dass auf diese konkret Bezug genommen wurde oder im Text ein entsprechender Verweis zu finden ist. Darüber hinaus wurde für die vergleichende Systemanalyse mit insgesamt acht englischsprachigen Referenzen sehr sparsam internationale Literatur zum Thema verwendet und zu viel graue bzw. unwissenschaftliche Literatur genutzt. Das Buch bietet daher kaum neue Erkenntnisse. Für den geneigten Leser, der sich mit den verschiedenen Sozialsystemen auseinandersetzen und einen groben Überblick erhalten möchte, eignet sich die Publikation eher als Nachschlagewerk und Ausgangslektüre für weitere Studien.
Abschließend betrachtet bleibt die Autorin dem Leser eine Antwort schuldig, ob die Altenpflege in Amerika effizient ist oder nicht. Ebenfalls bleibt offen, wie US-Gerontologen gegen den Pflegenotstand nun vorgehen. Bedauerlich, dass dieses Thema nicht tatsächlich Gegenstand dieser Publikation ist.
