Der vergessene Schmerz (Rezension)

Der vergessene Schmerz (Maier, Rosmarie und Petra Mayer)

Ernst Reinhardt Verlag, München, 2012; 171 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-497-02278-6

Rezension von: Sebastian Tränkner

Schreien, Schlagen, Widerstand gegen Pflegehandlungen: Oft verhalten sich Menschen mit Demenz in Alltagssituationen völlig unverständlich. Auslöser sind möglicherweise Schmerzen, die die Betroffenen nicht mehr klar ausdrücken können. Wie erkennt man, ob ein Demenzpatient Schmerzen hat? Dieses Buch stellt Methoden zur Schmerzerfassung vor, und es werden Tipps für eine Schmerzdokumentation gegeben. Neben der medikamentösen Therapie werden auch Methoden der nichtmedikamentösen Therapie wie Basale Stimulation und das validierende Gespräch beschrieben. Im Zentrum stehen dabei das Erleben der Betroffenen und die Haltung der Pflegenden. Denn die Angst, die den Schmerz begleitet, kann man nur in einer wertschätzenden Begegnung bewältigen.

Rosmarie Maier ist Altenpflegerin und Lehrerin für Pflege. Sie begleitet seit über 25 Jahren Menschen mit Demenz, schult und berät professionelle und ehrenamtliche Betreuungspersonen sowie Angehörige (www.rosmariemaier.de). Petra Mayer ist Palliative-Care-Pflegekraft und arbeitet in der ambulanten Schmerztherapie und in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung. (www.petramayer.net)

Das Buch ist in folgende Abschnitte gegliedert:

  • Grundhaltungen im Umgang mit Schmerz und Demenz
  • Die drei Schmerzebenen - körperlich, psychosozial und spirituell
  • Das Schmerzerleben von Menschen mit Demenz - der heutige wissenschaftliche Stand
  • Indirekte Schmerzindikatoren bei Menschen mit Demenz
  • Die Rolle der Betreuenden
  • Die medikamentöse Schmerztherapie
  • Nicht medikamentöse Schmerztherapie
  • Begegnungen mit Menschen mit Demenz und deren Schmerz

Der Personenkreis, für den die Publikation geschrieben wurde, sind Menschen,

  • die ihre Schmerzen nicht mehr klar äußern können
  • die erfahren wollen "wie sich Leid lindern lässt und die die Hoffnung haben, dass die Not zu lindern ist"
  • die erkennen, spüren und nachvollziehen können sollen, "welch verantwortungsvoller und komplexer Aufgabe sich Betreuende stellen (müssen), wenn sie Menschen mit Demenz in ihrem Schmerz begleiten wollen"
  • in den verantwortlichen Stellen, als da wären Krankenkassen, Politik, Geschäftsführung von Pflegeeinrichtungen
  • die sich in der Ausbildung zur gerontopsychiatrischen- bzw. Paliative-Care-Fachkraft befinden.

Das Buch "Der vergessene Schmerz" von Rosmarie Maier und Petra Mayer ist ein Muss für Pflegende, die mit dementen Patienten oder Bewohnern arbeiten. In vielen Fallbeispielen, Abbildungen werden die Grundlagen im Umgang mit Schmerz bei Dementen und die Rolle des Betreuenden dargestellt. Das Buch ist sehr gut strukturiert und leicht verständlich geschrieben. Ein sehr empfehlendes Fachbuch.