Call for Papers: Gesundheitsberufe in der Krise – Krisen in den Gesundheitsberufen

GdG Call Krisen GesundheitsberufeDie Corona-Berichterstattungen der vergangenen zwei Jahre haben fühlbar die Aufgaben und Leistung insbesondere Pflegender in den gesamtgesellschaftlichen Fokus rücken lassen – und es scheint, als habe diese Berufsgruppe durch die Konfrontation mit einer Krise ganz neue Konturen bekommen.

Fast könnte daraus der Eindruck erwachsen, als sei Corona die erste große Gesundheitskrise, die eine derartige Herausforderung darstellt. In den Medien wurden Pflegende dabei sehr häufig als „stille Helden“ typisiert. Dieses aus dem Christentum abgeleitete Bild scheint insbesondere in Katastrophen- und Krisensituationen nahezu berufsbestimmend für die nicht-ärztlichen Gesundheitsberufe zu sein und wird als Metapher auch immer wieder als berufstypisch hervorgehoben (allein in den letzten 20 Jahren in über 250 Fachartikeln1). Dieser - auf einfachste Metaphern reduzierte Blick - konterkariert allerdings sehr stark den wissenschaftlichen Blick auf das professionelle Verständnis dieser Berufe.

Während also die Politik die Rolle der Gesundheitsberufe in der alltäglichen Versorgung gelobt hat und gesamtgesellschaftlich Applaus geklatscht wurde, sind die wissenschaftlichen Fundierungen und Professionalisierungsbestrebungen der Berufsgruppen selbst derzeit scheinbar zunehmend im bürokratischen Dickicht versunken.

Genau diese Reaktion der Gesellschaft und Politik auf das effektive Reagieren der Gesundheitsversorgung in einer Krise scheint dabei Tradition zu haben. Wenn wir in die Zeitgeschichte schauen, so hat sich die in Deutschland noch junge Gesundheitsgeschichtsforschung bislang noch nicht sehr intensiv mit der Rolle von Gesundheitsprofessionellen in den großen Krisen des 19. und 20. Jahrhunderts befasst. Von wenigen Publikationen abgesehen, wird deren Rolle in Kriegen, Seuchen und Notlagen im wesentlichen über Fotografien und Bilder dargestellt. Einprägsam erscheinen hingegen Bilder – wie etwa Fotografien von der spanischen Grippe und den Weltkriegen. Dieser Trend setzt sich bis heute fort – und so waren die Nachrichten in der Corona-Krise vor allem durch Bilder von Pflegenden mit Schutzkitteln, Mundschutz und mit klassischem Stethoskop gespickt. Bilder, die für die tatsächlichen Leistungen, Aufgaben und Herausforderungen der einzelnen Berufsgruppen in dieser Krise aber nur sehr wenig Ausdruckskraft haben.

All diese hier nur grob angeschnittenen Aspekte waren für die Redaktion von hpsmedia Grund genug dafür, mit einer Schwerpunktausgabe der Zeitschrift „Geschichte der Gesundheitsberufe“ (2/2022) dazu beitragen zu wollen, diese bestehenden Bilder um bedeutsame neue Aspekte zu ergänzen und zu erweitern. Dabei interessieren vor allem Sichtweisen, die die einzelnen Akteure in ihrem Agieren und in ihrem interdisziplinären Zusammenspiel umfassender beleuchten, als dies bislang geschehen ist. Und es interessiert insbesondere auch der Blick auf all die Krisen VOR Corona.

Beiträge können online bis 1. August 2022 zu folgenden Themen eingereicht werden:

  • Welche Krisen (z. B. Infektionskrankheiten HIV, AIDS, Ebola; Kriege, z. B. Ukraine-Krise; Hungersnöte,
    z. B. Afrika; Flüchtlingskrise, z. B. Ukraine, Mittelmeer) haben besondere Herausforderungen für die
    Gesundheitsprofessionellen bedeutet?
  • Wie wurden und werden die Berufsgruppen in solchen Krisen fremdbestimmt (z. B. Vereinnahmung durch
    andere Berufsgruppen oder durch die Politik; Darstellung in den Medien etc.)
    Wie gestalten sich die jeweiligen beruflichen Rollen zwischen „Retter“ und „Buhmann“ (z. B. Medienrolle,
    Rolle der Politik)
  • Inwieweit spielt Gerechtigkeit im Gesundheitssystem in Krisenzeiten eine namhafte Rolle?
  • Welche Bedeutung haben diese Krisen für die einzelnen Berufsgruppen? Sind sie Innovator oder Hemmnis?
  • Welche Rolle kommt der Wissenschaft und Forschung dabei zu?

Beiträge können als Fachartikel eingereicht werden und sollten 15 Seiten A4 nicht überschreiten. Positionspapiere oder Buchrezensionen u. Ä. sind ebenfalls sehr willkommen. Alle Manuskripte werden durch das Gutachtergremium der Zeitschrift bewertet.

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1 Quelle: www.carelit.de Suchterm „Stille Helden“ 2002-2022

 

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